Validation

Wer Menschenwürde als von der Natur gegeben versteht (und das tun die Hospizler aus guten Gründen), muss dann auch die Alten, die Schwachen und die körperlich, seelisch und geistig Kranken einschliessen. Vielen Zeitgenossen fällt das vielleicht nicht ganz leicht, insbesondere wenn z.B. die sogenannten Dementen kaum noch ansprechbar scheinen, den ganzen Tag lang in der Ecke vor sich hin murmeln oder ihre Kaubewegungen nicht mehr richtig koordinieren können usw., usw.

Wer sich die Mühe macht diese Menschen trotzdem ernst zu nehmen, hinter die verfallende Verbindung zur Aussenwelt zu schauen, kann einige Überraschungen erleben. Denn da ist oft noch viel mehr erreichbares und antwortendes Leben, als  von außen  in der der sogenannten „normalen Interaktion“ erkennbar ist.

Eine besonders eindrucksvolle Art und Weise, wie sich Verbindungen zu Personen herstellen  – und erhalten lassen, deren Außenweltkontakte kaum noch aktiv sind oder sehr gestört erscheinen, nennt man Validation. Es handelt sich um eine Anzahl verschiedener Techniken, die aber alle einen gemeinsamen Kern besitzen: sie drücken Wertschätzung aus, die sich in einem sehr kraftvollen Vertrauen in  die starke, gesunde (validus, lat. = gesund, stark) Reaktion  des betreffenden alten und/oder kranken Menschen auf die Ansprache von außen  ausdrückt. Dies Vertrauen darf sich nicht leicht entmutigen lassen, hat dann aber eine sehr heilende und aktivierende Wirkung.

Das Gesamtkonzept mit dem Namen „Validation“ wurde von der Deutsch-Amerikanerin Naomi Feil entwickelt und fusst ursprünglich z.T. auf ihrer besonderen Fähigkeit fantasievoll und reaktionsschnell auf minimale Kommunikationsangebote/bzw. -reaktionen der Alten und Dementen einzugehen. Auch irrational erscheinende Äußerungen werden aufgegriffen und große  Wertschätzung ausdrückend und – ohne jeden verächtlichen Hintergedanken, das ist sehr wichtig –  beantwortet. So kann auch in  „hoffnungslosen Fällen“ langsam wieder eine auf Vertrauen aufbauende Kommunikation entstehen.

Beim Anschauen eines die Methode dokumentierenden Video’s

https://www.youtube.com/watch?v=CrZXz10FcVM

kann man sich kaum dem Eindruck entziehen, dass eine herzerwärmende Freude an wahrer Mitmenschlichkeit, erstaunlich genaues Hinhören und eine dahinter aufleuchtende große Menschenliebe gemeinsam eine ziemlich ungewöhnliche, aber sehr erhellende neue Stufe des (gegenseitigen?!) Verständnisses erzeugen.

Etwas mechanischer und mit einem Augenzwinkern, aber nichtsdestoweniger deutlich kann man die Kraft der positiven Verstärkung auch hier

https://www.youtube.com/watch?v=dc7rK1MGM6w

https://www.youtube.com/watch?v=N6BUl7OlPPw

besser verstehen lernen.

Unser, von uns sehr geschätzes, 2014 leider verstorbenes Mitglied Frau Pastorin i.R. Gudrun-Elisabeth Lemm legte uns die Methode der Validation sehr ans Herz. Im Gedenken an Ihre menschenfreundliche, kreative und humorvolle Art möchten wir hiermit ihrem Anliegen an dieser Stelle noch einmal  Raum geben.

Auch im Kontext des Hospizgedankens liegt Validation sehr nahe: Wertschätzung ohne Vorbehalt und Einschränkung schafft für Schwerstkranke und Sterbende eine Umgebung, in der die so unterstützte Lebensqualität entweder die erlahmten Heilkräfte regenerieren oder – wenn das nicht mehr möglich ist – immerhin den Weg zum angstfreien Körpertod deutlich erleichtern kann….

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