Palliativ-Versorgung

Palliation (Linderung, aus lat. ‚pallium‘ (Mantel) bzw. ‚palliare‘ (mit einem Mantel umhüllen, verbergen)) bezeichnet allgemein eine medizinische Maßnahme, deren primäres Ziel nicht der Erhalt (Prophylaxe), die Genesung (Heilung) oder die Wiederherstellung (Rehabilitation) der normalen Körperfunktion, sondern deren bestmögliche Anpassung an die gegebenen physiologischen und psychologischen Verhältnisse ist, ohne gegen den zugrundeliegenden Defekt oder die zugrundeliegende Erkrankung selbst zu wirken.    (Definition aus Wikipedia.de)

Aus der Definition geht hervor, weshalb Palliativmedizin ein weiteres wichtiges Thema für die Hospizidee ist: Äußerst heftige Dauerschmerzen können aus einem aufrechten  Menschen mit spürbarer Würde ein wimmerndes Wesen machen, das nichts Anderes wahrnimmt als seinen Schmerz und nichts Anderes mehr will als das Ende der Schmerzen. Auch in diesem Zustand existiert da ein ganzer Mensch mit allen zugehörigen Attributen, aber –  für ihn selbst und für seine Mitmenschen mit verminderter Spürbarkeit seiner (immer vorhandenen) Würde. Eine ausreichende Lebensqualität bis zur letzten Stunde ist unter solchen Umständen kaum möglich, das ist ja offensichtlich.

Solange noch begründete Hoffnung auf Heilung besteht,  nehmen wir oft viele Leiden auf uns, um wieder gesund zu werden. Das ist dann auch richtig. Aber was, wenn die Prognose hoffnungslos ist und jede weitere Behandlung – obwohl sie der wissenschaftlich-medizinischen Behandlungslogik entspricht – den Zustand tatsächlich nur weiter verschlimmert? Ist es dann nicht auch im Sinne unserer Würde angemessener, die Lebensqualität für die restliche Zeit an erste Stelle zu setzen? Viele Patienten würden da zustimmen – wenn sie denn gefragt würden!

So gesehen geht es ab diesem Punkt nicht mehr um gezielte Heilbehandlungen und um Vermeidung von  Nebenwirkungen der Schmerzbehandlung bzw. -medikation,  sondern vielmehr um ihre Effektivität und subjektive Verträglichkeit. Genau das ist die Domäne der Palliativmedizin. Es gibt da sehr trickreiche Kombinationen von Präparaten und begleitenden Maßnahmen, die einen großen Teil der Lebensqualität auch bis in sonst äußerst schmerzhafte Endstadien hinein erhalten können – auch wenn sie bei einem Gesunden Spätschäden erzeugen würden. Aber das ist ja in diesen Fällen unwichtig. Leider sind diese Möglichkeiten nicht allgemein bekannt und waren lange Zeit auch unter Medizinern ein gemiedenes Thema, weil deren Ziel und Augenmerk  normalerweise ausdrücklich auf die Heilung gerichtet ist und sein soll.

Jedenfalls ist „Existenz und Wirksamkeit der Palliativmedizin“ eine sehr wichtige Information gerade für Krebspatienten – und ihre Angehörigen, für die die starken Schmerzen ihrer Lieben oft eine unerträgliche seelische Belastung sind.

Es ist also für Patienten mit heftigen Schmerzen mit schlechter Prognose durchaus legitim und auch menschlich und sachlich richtig nach palliativ-medizinischer Behandlung zu fragen. Trauen Sie sich – und lassen Sie gegebenenfalls nicht locker!

(Siehe Seite mit den Links!)

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